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Welche Rolle Gold in einem Portfolio spielen kann

Kein Zins, keine Dividende und trotzdem seit Jahrhunderten gefragt: wofür Anleger Gold halten und welche Formen der Anlage es gibt.

Von der maidav RedaktionVeröffentlicht Geprüft 5 Min. Lesezeit

Einige Goldbarren in einem Tresorfach, von einem Lichtstreif getroffenAI generated

Gold zahlt keine Zinsen und keine Dividenden, und dennoch halten Privatleute wie Zentralbanken seit Generationen daran fest. Der Grund liegt weniger im laufenden Ertrag als in seinen Eigenschaften: Gold ist knapp, weltweit handelbar und hängt nicht von der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners ab. Dieser Beitrag erklärt, welche Aufgaben Gold in einem Portfolio übernehmen kann, in welchen Formen es sich halten lässt und was bei Steuern, Kosten und Lagerung zu beachten ist.

Ein Vermögenswert ohne laufenden Ertrag

Wer Gold kauft, erwirbt einen Rohstoff und keinen Anspruch auf Zahlungen. Der Ertrag entsteht allein aus einer möglichen Preissteigerung. Das unterscheidet Gold grundlegend von Aktien, die am Gewinn eines Unternehmens beteiligen, und von Anleihen, die Zinsen zahlen. In Phasen hoher Zinsen fällt dieser Unterschied stärker ins Gewicht, weil Anleger auf Zinserträge verzichten, die sie an anderer Stelle erzielen könnten. Ökonomen sprechen von Opportunitätskosten.

Der fehlende Ertrag ist zugleich die Kehrseite einer Stärke. Physisches Gold ist kein Zahlungsversprechen eines Staates, einer Bank oder eines Unternehmens und kann deshalb nicht ausfallen wie ein Schuldner. Über lange Zeiträume hat es seinen Wert gegenüber vielen Währungen bewahrt, allerdings mit teils erheblichen Schwankungen und mit langen Phasen ohne Wertzuwachs. Wie die Teuerung das Geld selbst betrifft, erklärt der Beitrag Wie Inflation die Kaufkraft verändert.

Für Anleger im Euroraum kommt eine zweite Größe hinzu. Gold wird international üblicherweise in US-Dollar je Feinunze gehandelt, einer Gewichtseinheit von rund 31,1 Gramm. Der Wert einer Goldanlage in Euro hängt deshalb nicht nur vom Goldpreis ab, sondern auch vom Wechselkurs. Wertet der Euro gegenüber dem Dollar auf, kann der Goldbestand in Euro an Wert verlieren, obwohl der Dollarpreis unverändert bleibt; im umgekehrten Fall gewinnt er.

Warum Gold in unsicheren Zeiten gefragt ist

In Phasen wirtschaftlicher oder politischer Unsicherheit steigt häufig die Nachfrage nach Gold. Es gilt als sicherer Hafen, weil es weltweit anerkannt ist und unabhängig von einzelnen Finanzsystemen gehandelt wird. Für ein Portfolio kann das eine Streuungsfunktion haben: Gold entwickelt sich oft anders als Aktien und Anleihen, was die Schwankungen des Gesamtvermögens dämpfen kann. Verlässlich ist dieser Zusammenhang nicht, er verändert sich je nach Zeitraum und Marktphase.

Auch Zentralbanken halten Gold als Teil ihrer Währungsreserven. Die Deutsche Bundesbank besaß zum 31. Dezember 2025 nach ihrem Jahresabschluss rund 3.350 Tonnen Feingold in Barren, gelagert in Frankfurt am Main, New York und London. Damit gehört der deutsche Bestand zu den größten der Welt. Für private Anleger ist das kein Kaufsignal, zeigt aber, dass Gold auch im modernen Währungssystem eine Reservefunktion behalten hat.

Barren, Münzen und börsengehandelte Produkte

Physisches Gold gibt es als Barren in Größen von wenigen Gramm bis zu einem Kilogramm und mehr sowie als Anlagemünzen. Für Anlagegold gilt in der Europäischen Union eine Befreiung von der Umsatzsteuer. In Deutschland regelt das § 25c Umsatzsteuergesetz: Befreit sind Barren und Plättchen mit einem Feingehalt von mindestens 995 Tausendstel sowie Goldmünzen mit mindestens 900 Tausendstel, die nach 1800 geprägt wurden, im Ursprungsland gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren und üblicherweise höchstens 80 Prozent über dem Wert ihres Goldgehalts verkauft werden. Für Schmuck gilt diese Befreiung nicht.

Wer Gold nicht selbst verwahren möchte, kann börsengehandelte Produkte nutzen, die den Goldpreis abbilden. In Europa sind das in der Regel keine Fonds, sondern Schuldverschreibungen eines Emittenten, oft als ETC bezeichnet. Physisch hinterlegte Varianten sind mit eingelagertem Gold besichert, manche verbriefen zusätzlich einen Anspruch auf Auslieferung. Ein Sondervermögen wie bei einem Fonds entsteht dabei nicht, deshalb lohnt der Blick in die Bedingungen zur Besicherung.

Aktien von Goldminengesellschaften bilden eine eigene Risikoklasse. Ihr Kurs hängt zwar oft mit dem Goldpreis zusammen, aber ebenso mit Förderkosten, Unternehmensführung, Standortrisiken und der allgemeinen Börsenstimmung. Sie können Dividenden zahlen, schwanken jedoch in der Regel deutlich stärker als das Metall selbst.

Wie Gewinne aus Gold besteuert werden

Physisches Gold gilt steuerlich nicht als Kapitalanlage im Sinne der Abgeltungsteuer. Gewinne aus dem Verkauf sind nach § 23 Einkommensteuergesetz nur steuerpflichtig, wenn zwischen Kauf und Verkauf nicht mehr als ein Jahr liegt; danach sind sie steuerfrei. Innerhalb der Frist gilt der persönliche Steuersatz und eine Freigrenze: Liegt der Gesamtgewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften im Kalenderjahr unter 1.000 Euro, bleibt er steuerfrei, wird sie erreicht, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig.

Für börsengehandelte Goldprodukte hat der Bundesfinanzhof Leitlinien gesetzt. Mit Urteil vom 12. Mai 2015 (VIII R 35/14) entschied er, dass Gewinne aus börsengehandelten Inhaberschuldverschreibungen mit einem Anspruch auf Lieferung physischen Goldes keine Kapitalerträge sind, jedenfalls wenn der Emittent das Kapital nahezu vollständig in Gold anlegen muss. Mit Urteil vom 16. Juni 2020 (VIII R 7/17) bestätigte er das auch für Papiere, bei denen Anleger statt der Lieferung den Verkaufserlös verlangen können. Produkte, die nur einen vom Goldpreis abhängigen Geldbetrag versprechen, fallen dagegen in der Regel unter die Abgeltungsteuer.

Spanne, Lagerung und Echtheit

Beim physischen Gold liegen Ankaufs- und Verkaufspreis auseinander. Die Spanne fällt bei großen Barren meist geringer aus als bei kleinen Stückelungen und Münzen, weil die Herstellungskosten je Gramm sinken. Hinzu kommt die Lagerung: Ein Bankschließfach, ein eigener Tresor oder die Verwahrung bei einem Dienstleister verursachen Kosten, und Hausratversicherungen decken Edelmetalle oft nur begrenzt ab. Bei Barzahlungen ab 2.000 Euro muss der Verkäufer nach dem Geldwäschegesetz die Identität der Kundin oder des Kunden feststellen.

Für die Echtheit gibt es anerkannte Standards. Im Großhandel ist der Standard London Good Delivery der London Bullion Market Association maßgeblich, nach dem auch die Bundesbank ihre Barren hält: mindestens 995 Tausendstel Feingehalt, ein Gewicht zwischen 10,9 und 13,4 Kilogramm sowie eingeprägte Angaben zu Hersteller, Feingehalt, Herstellungsjahr und Barrennummer. Bei kleineren Barren achten viele Käufer auf vergleichbare Prägungen mit Gewicht, Feingehalt und Seriennummer.

BeispielWas die Spanne bedeutet
Kaufpreis eines Goldbarrens10.000 €
Rücknahmepreis am selben Tag (Annahme 4 % niedriger)9.600 €
Sofortiger Abstand400 €
Lagerkosten (Annahme 120 € pro Jahr, fünf Jahre)600 €
Nötiger Verkaufserlös ohne Verlust nach fünf Jahren10.600 €
Nötiger Anstieg des Rücknahmepreisesrund 10,4 %
Steuer beim Verkauf nach mehr als einem Jahr0 €

Alle Zahlen sind erfundene, runde Annahmen. Das Beispiel zeigt, dass Spanne und Lagerkosten erst durch einen Preisanstieg ausgeglichen werden müssen, bevor ein Gewinn entsteht.

Gold zahlt keine Zinsen, aber es hängt auch nicht vom Versprechen eines Schuldners ab.

Gold kann in einem Portfolio eine eigene Rolle übernehmen: als Wertspeicher ohne Schuldnerrisiko und als Baustein, der sich oft anders entwickelt als Aktien und Anleihen. Laufende Erträge und die Teilhabe an wirtschaftlichem Wachstum ersetzt es nicht. Wie groß eine Beimischung sein kann, hängt von Zielen, Anlagehorizont und Risikobereitschaft ab und lässt sich nur individuell beantworten. Wer vergleichen möchte, wie sich die Kaufkraft eines Betrags über die Jahre verändert, kann den Kaufkraft-Rechner nutzen.

Häufige Fragen

Welche Goldmünzen gelten als Anlagegold?

Nach § 25c Umsatzsteuergesetz müssen Goldmünzen einen Feingehalt von mindestens 900 Tausendstel haben, nach 1800 geprägt worden sein, im Ursprungsland gesetzliches Zahlungsmittel sein oder gewesen sein und üblicherweise höchstens 80 Prozent über dem Wert ihres Goldgehalts verkauft werden. Erfüllt eine Münze diese Bedingungen, ist ihre Lieferung von der Umsatzsteuer befreit.

Wie werden börsengehandelte Goldprodukte besteuert?

Das hängt von der Ausgestaltung ab. Verbrieft das Wertpapier einen Anspruch auf Lieferung physischen Goldes und muss der Emittent das Kapital nahezu vollständig in Gold anlegen, behandelt der Bundesfinanzhof Gewinne wie bei physischem Gold, also steuerfrei nach mehr als einem Jahr. Produkte mit reinem Geldanspruch fallen in der Regel unter die Abgeltungsteuer.

Warum erhalte ich beim Verkauf weniger, als ich beim Kauf bezahlt habe?

Zwischen Kauf- und Rücknahmepreis liegt eine Spanne, die Kosten für Handel, Prüfung, Lagerung und Wiederverkauf abdeckt. Sie ist bei großen Barren meist geringer als bei kleinen Barren oder Münzen. Für Anleger bedeutet das, dass der Goldpreis zunächst um diese Spanne steigen muss, bevor ein Verkauf ohne Verlust möglich ist.

Wie viel Gold hält die Bundesbank?

Nach dem Jahresabschluss der Bundesbank waren es zum 31. Dezember 2025 rund 3.350 Tonnen Feingold in Barren. Gelagert wird das Gold in Frankfurt am Main, bei der Federal Reserve Bank in New York und bei der Bank of England in London. Gut die Hälfte des Bestands liegt in Frankfurt.

Begriffe

Anlagegold
Gold in Barren oder bestimmten Münzen, dessen Lieferung nach § 25c Umsatzsteuergesetz von der Umsatzsteuer befreit ist.
ETC
Exchange Traded Commodity, eine börsengehandelte Schuldverschreibung, die die Wertentwicklung eines Rohstoffs wie Gold abbildet.
London Good Delivery
Standard der London Bullion Market Association für Goldbarren im Großhandel mit festgelegtem Feingehalt, Gewicht und Kennzeichnung.

Zum Wirtschaftslexikon

Quellen

  1. § 23 Einkommensteuergesetz, Private VeräußerungsgeschäfteBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
  2. § 25c Umsatzsteuergesetz, Besteuerung von Umsätzen mit AnlagegoldBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
  3. Urteil vom 12. Mai 2015, VIII R 35/14Bundesfinanzhof
  4. Geschäftsbericht 2025, Der Jahresabschluss der Deutschen Bundesbank für das Jahr 2025Deutsche Bundesbank
  5. Bundesbank verlagert Teile der GoldreservenDeutsche Bundesbank

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Bild: Illustration, mit KI erstellt.

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