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Kryptomaidav Wissen

Bitcoin verständlich erklärt

Ein Netzwerk ohne Zentrale, eine feste Obergrenze und ein öffentliches Kassenbuch: wie Bitcoin funktioniert und was Sie vor einem Einstieg wissen sollten.

Von der maidav RedaktionVeröffentlicht Geprüft 6 Min. Lesezeit

Ein Netz aus Lichtpunkten über einer nächtlichen Stadtlandschaft als Symbol eines dezentralen NetzwerksAI generated

Bitcoin ist die älteste und bekannteste Kryptowährung. Hinter dem Namen stehen ein Netzwerk ohne zentrale Stelle, ein öffentliches Kassenbuch und eine festgelegte Höchstmenge von 21 Millionen Einheiten. Dieser Beitrag erklärt, wie das System entstanden ist, wie neue Blöcke und neue Bitcoin entstehen, warum sich die Belohnung für das Mining regelmäßig halbiert und was Sie über Kauf, Verwahrung, Risiken und Steuern in Deutschland wissen sollten.

Vom Whitepaper zum Netzwerk

Am 31. Oktober 2008 veröffentlichte eine Person oder Gruppe unter dem Namen Satoshi Nakamoto auf einer Mailingliste für Kryptografie ein neunseitiges Papier mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“. Die Idee war elektronisches Geld, das direkt zwischen zwei Parteien übertragen wird, ohne dass eine Bank dazwischengeschaltet ist. Wer sich hinter dem Namen verbirgt, ist bis heute nicht geklärt.

Am 3. Januar 2009 entstand der erste Block, wenige Tage später stand die Software öffentlich zur Verfügung. Seitdem werden fortlaufend neue Blöcke angehängt. Das Netzwerk gehört niemandem, es wird von Tausenden Rechnern weltweit getragen, die dieselben Regeln anwenden. Änderungen an diesen Regeln setzen sich nur durch, wenn ein großer Teil der Beteiligten sie übernimmt.

Ein Kassenbuch, das alle führen

Kern von Bitcoin ist die Blockchain, ein öffentliches Kassenbuch, in dem jede Übertragung seit 2009 steht. Transaktionen werden zu Blöcken gebündelt, und jeder neue Block enthält einen digitalen Fingerabdruck, den Hashwert, des vorherigen. So entsteht eine Kette, in der sich alte Einträge nachträglich kaum verändern lassen, weil sonst alle folgenden Blöcke neu berechnet werden müssten.

Die Rechner, die das Kassenbuch speichern und neue Transaktionen prüfen, heißen Knoten. Jeder Knoten kann selbst nachvollziehen, ob eine Zahlung gültig ist, ob also der Absender über die Bitcoin verfügt und sie nicht schon ausgegeben hat. Dieses Problem der doppelten Ausgabe ohne zentrale Stelle zu lösen, war der eigentliche Fortschritt des Whitepapers.

Öffentlich heißt nicht namentlich. Im Kassenbuch stehen keine Namen, sondern Adressen, also Zeichenfolgen. Wer eine Adresse nutzt, kann sich aber über Handelsplätze, die ihre Kundschaft identifizieren müssen, oder über die Auswertung von Zahlungsströmen ergeben. Fachleute sprechen deshalb von Pseudonymität.

Mining und Proof of Work

Neue Blöcke entstehen durch Mining. Spezialisierte Rechner suchen eine Zahl, mit der der Hashwert des neuen Blocks eine vorgegebene Bedingung erfüllt, und das gelingt nur durch massenhaftes Ausprobieren. Wer zuerst eine passende Lösung findet, darf den Block anhängen, die anderen Knoten prüfen das Ergebnis in Sekundenbruchteilen. Das Verfahren heißt Proof of Work, also Arbeitsnachweis.

Das Netzwerk passt die Schwierigkeit regelmäßig an, damit im Durchschnitt etwa alle zehn Minuten ein Block entsteht, gleich wie viel Rechenleistung beteiligt ist. Als Lohn erhält der erfolgreiche Miner neu geschaffene Bitcoin sowie die Gebühren der Transaktionen im Block.

Der Arbeitsnachweis braucht viel Strom, weil weltweit Rechner um jeden Block konkurrieren. Wie hoch der Verbrauch ist und welcher Anteil aus erneuerbaren Quellen stammt, lässt sich nur schätzen. Befürworter sehen darin den Preis für die Sicherheit des Netzes, Kritiker verweisen auf die Klimabilanz. Die EU-Verordnung MiCA verpflichtet Kryptowerte-Dienstleister, Angaben zu den Umweltauswirkungen zu veröffentlichen.

Feste Obergrenze und Halving

Die Menge neuer Bitcoin folgt einem festen Plan. Zu Beginn betrug die Blockbelohnung 50 Bitcoin. Alle 210.000 Blöcke, also etwa alle vier Jahre, halbiert sie sich. Zuletzt geschah dieses Halving im April 2024 bei Block 840.000, seitdem erhalten Miner 3,125 Bitcoin je Block. Die nächste Halbierung ist bei Block 1.050.000 vorgesehen.

Durch die fortlaufende Halbierung nähert sich die Gesamtmenge einer Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin. Ein Bitcoin lässt sich in 100 Millionen kleinste Einheiten teilen, die nach dem Erfinder Satoshi heißen. Sie müssen also keinen ganzen Bitcoin erwerben. Die Begrenzung ist ein Grund, warum manche Bitcoin mit Gold vergleichen. Über den Wert sagt sie allerdings nichts: Der Preis entsteht aus Angebot und Nachfrage, und die Nachfrage kann sich schnell ändern.

Schlüssel, Wallet und Kauf

Bitcoin liegen nicht als Datei auf Ihrem Gerät, sondern als Einträge im Kassenbuch. Wer über sie verfügen will, braucht einen privaten Schlüssel, mit dem er Transaktionen digital unterschreibt. Programme oder Geräte, die solche Schlüssel verwalten, heißen Wallets. Wie Selbstverwahrung und Verwahrung durch Anbieter funktionieren, erklärt der Beitrag Wallets und Verwahrung.

Gekauft wird meist über einen Kryptowerte-Dienstleister. Für diese Anbieter gilt in der EU seit dem 30. Dezember 2024 die Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA). Sie brauchen eine Zulassung, die Übergangsfristen sind spätestens am 1. Juli 2026 ausgelaufen. Ob ein Anbieter zugelassen ist, zeigen die Unternehmensdatenbank der BaFin und das Register der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA. Bitcoin selbst hat keinen Emittenten, reguliert sind vor allem die Dienstleistungen.

An Börsen werden zudem Produkte gehandelt, die die Wertentwicklung von Bitcoin abbilden, in Europa häufig als börsengehandelte Schuldverschreibungen, sogenannte Exchange Traded Notes. Wer sie kauft, besitzt keine Bitcoin, sondern eine Forderung gegen den Emittenten. Zum Kursrisiko kommen damit ein Emittenten- und ein Verwahrrisiko, und die steuerliche Behandlung kann vom direkten Besitz abweichen.

Risiken nüchtern betrachtet

Der Kurs von Bitcoin schwankt stark, auch innerhalb weniger Tage, und Phasen kräftiger Anstiege und tiefer Einbrüche haben sich mehrfach abgewechselt. Die BaFin stuft Kryptowerte als hochspekulativ ein, Verluste bis zum Totalverlust sind möglich. Eine Einlagensicherung wie für Bankguthaben gibt es nicht. Zu den wichtigsten Risiken zählen:

  • Kursschwankungen mit hohen Wertverlusten in kurzer Zeit
  • Verlust des Zugangs, wenn Schlüssel oder Wiederherstellungsphrase fehlen
  • Täuschungsversuche, bei denen sich Betrüger als Support ausgeben
  • Fehlüberweisungen, denn bestätigte Transaktionen lassen sich nicht zurückbuchen
  • Änderungen bei Regulierung und Steuerrecht

Steuern für Privatpersonen

Für Bitcoin im Privatvermögen gelten in Deutschland die Regeln für private Veräußerungsgeschäfte nach Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes. Verkaufen Sie Bitcoin innerhalb eines Jahres nach dem Kauf, ist ein Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Liegt mehr als ein Jahr dazwischen, bleibt er steuerfrei. Als Veräußerung gilt auch der Tausch in einen anderen Kryptowert oder das Bezahlen einer Ware mit Bitcoin.

Seit 2024 gilt je Person eine Freigrenze von 1.000 Euro im Kalenderjahr für alle privaten Veräußerungsgewinne zusammen. Eine Freigrenze ist kein Freibetrag: Erreicht der Gesamtgewinn 1.000 Euro, ist er vollständig steuerpflichtig. Verluste lassen sich nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnen. Einzelheiten regelt ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 6. März 2025.

BeispielVerkauf nach acht Monaten
Annahme: Kauf eines Bitcoin-Anteils2.000 €
Verkauf nach acht Monaten2.900 €
Gebühren für Kauf und Verkauf20 €
Gewinn880 €
Weitere private Veräußerungsgewinne im Jahrkeine
Ergebnisunter der Freigrenze, steuerfrei

Die Zahlen sind frei gewählt. Läge der Gewinn bei 1.000 Euro oder darüber, wäre der gesamte Betrag steuerpflichtig, nicht nur der Teil über der Grenze. Nach mehr als einem Jahr Haltedauer wäre der Gewinn unabhängig von seiner Höhe steuerfrei.

Eine feste Höchstmenge begrenzt das Angebot, aber sie bestimmt nicht den Preis.

Bitcoin ist ein technisches System mit öffentlich einsehbaren Regeln und zugleich ein Markt mit stark schwankenden Preisen. Wer Kassenbuch, Mining, Obergrenze, Verwahrung und Steuerregeln kennt, kann Nachrichten und Angebote besser einordnen. Häufige Begriffe erklärt das Wirtschaftslexikon. Ob Bitcoin zur eigenen finanziellen Lage passt, bleibt eine persönliche Entscheidung, die eine sorgfältige Abwägung der Risiken voraussetzt.

Häufige Fragen

Muss man einen ganzen Bitcoin kaufen?

Nein. Ein Bitcoin ist in 100 Millionen Einheiten teilbar, die kleinste heißt Satoshi. Handelsplätze erlauben deshalb auch den Kauf kleiner Bruchteile. Für die Einordnung zählt nicht die Zahl der Einheiten, sondern der Betrag in Euro, den Sie einsetzen, und das Risiko, das Sie damit eingehen.

Wer kontrolliert das Bitcoin-Netzwerk?

Keine einzelne Stelle. Das Netzwerk wird von vielen unabhängigen Knoten und Minern getragen, die dieselben Regeln anwenden. Änderungen an der Software setzen sich nur durch, wenn ein großer Teil der Beteiligten sie übernimmt. Staaten können allerdings regeln, wie Handelsplätze und andere Dienstleister rund um Bitcoin arbeiten, wie es die EU mit MiCA getan hat.

Was passiert beim Halving?

Alle 210.000 Blöcke, also etwa alle vier Jahre, halbiert sich die Zahl neuer Bitcoin, die ein Miner für einen Block erhält. Seit April 2024 sind es 3,125 Bitcoin je Block. Dadurch wächst die Gesamtmenge immer langsamer und nähert sich der Grenze von 21 Millionen. Welche Folgen das für den Preis hat, lässt sich nicht vorhersagen.

Wann sind Gewinne aus Bitcoin steuerfrei?

Im Privatvermögen sind Gewinne steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Bei kürzerer Haltedauer bleiben sie nur steuerfrei, wenn alle privaten Veräußerungsgewinne eines Jahres zusammen unter 1.000 Euro liegen. Auch der Tausch in andere Kryptowerte zählt als Veräußerung. Bei Fragen zum Einzelfall hilft eine Steuerberatung.

Begriffe

Proof of Work
Verfahren, bei dem Rechner durch aufwendiges Ausprobieren eine Rechenaufgabe lösen und damit das Recht erwerben, einen neuen Block an die Blockchain anzuhängen.
Halving
Halbierung der Blockbelohnung für Miner, die bei Bitcoin alle 210.000 Blöcke und damit etwa alle vier Jahre stattfindet.
Satoshi
Kleinste Einheit von Bitcoin, die 0,00000001 Bitcoin entspricht und nach dem Pseudonym des Erfinders benannt ist.

Zum Wirtschaftslexikon

Quellen

  1. Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System (Whitepaper, 2008)Satoshi Nakamoto, veröffentlicht auf bitcoin.org
  2. Einzelfragen zur ertragsteuerrechtlichen Behandlung bestimmter Kryptowerte (BMF-Schreiben vom 6. März 2025)Bundesministerium der Finanzen
  3. Einkommensteuergesetz, § 23 Private VeräußerungsgeschäfteBundesministerium der Justiz
  4. Amtliches Einkommensteuer-Handbuch 2025: Freigrenze für private VeräußerungsgewinneBundesministerium der Finanzen
  5. Merkblatt Kryptowerte-Dienstleistungen nach MiCARBundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

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Bild: Illustration, mit KI erstellt.

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