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Wiederkehrende Einnahmen: Welche Geschäftsmodelle dahinterstehen

Abonnement, Wartungsvertrag, Nutzungsgebühr: warum planbare Erlöse Unternehmen stabiler machen und was sie voraussetzen.

Von der maidav RedaktionVeröffentlicht Geprüft 6 Min. Lesezeit

Servicetechniker wartet eine Industriemaschine, daneben ein Tablet mit WartungsplanAI generated

Ein Kunde, der jeden Monat wiederkommt, ist für ein Unternehmen mehr wert als einer, der einmal kauft und dann verschwindet. Abonnements, Wartungsverträge und Nutzungsgebühren machen Erlöse planbar und glätten Schwankungen. Dieser Beitrag stellt die wichtigsten Modelle vor, erklärt die Kennzahlen, mit denen sie gesteuert werden, zeigt an einem Rechenbeispiel die Wirkung der Kündigungsquote und beschreibt, wie auch klassische Mittelständler wiederkehrende Bausteine aufbauen.

Was wiederkehrende Einnahmen ausmacht

Von wiederkehrenden Einnahmen spricht man, wenn Kunden nicht für einen einzelnen Kauf zahlen, sondern regelmäßig für eine fortlaufende Leistung. Der Vertrag läuft weiter, bis jemand kündigt, oder er verlängert sich nach festen Regeln. Für das Unternehmen bedeutet das: Ein großer Teil des Umsatzes im nächsten Monat steht schon heute fest und muss nicht jeden Monat neu gewonnen werden.

Den Gegensatz bildet das Projekt- oder Einzelgeschäft. Ein Handwerksbetrieb, der Heizungen einbaut, beginnt jedes Jahr gewissermaßen von vorn. Ein Betrieb, der zusätzlich einige Hundert Wartungsverträge betreut, hat einen Sockel an Einnahmen, auf dem er planen, einstellen und investieren kann. Beide Modelle schließen sich nicht aus. Viele Unternehmen verbinden ein starkes Neugeschäft mit einem stabilen Bestand.

Die wichtigsten Modelle

Wiederkehrende Erlöse gibt es in fast jeder Branche. Die Formen unterscheiden sich vor allem darin, wofür der Kunde zahlt: für den Zugang, für die Nutzung oder für eine laufende Betreuung.

  • Abonnements und Software als Dienst (SaaS): monatliche oder jährliche Gebühr für den Zugang zu Inhalten oder Programmen
  • Mitgliedschaften: Beitrag für den Zugang zu Räumen, Netzwerken oder Leistungen
  • Wartungs- und Serviceverträge: regelmäßige Prüfung und Instandhaltung von Anlagen, Maschinen oder Gebäudetechnik
  • Verbrauchsmaterial zum Grundgerät: Das Gerät wird einmal verkauft, Filter, Kartuschen oder Ersatzteile werden regelmäßig nachgekauft
  • Nutzungsabhängige Preise: Abrechnung nach Menge, Laufzeit oder Zahl der Vorgänge
  • Lizenzen und Plattformgebühren: laufende Entgelte für Nutzungsrechte oder für die Teilnahme an einem Marktplatz

Nicht jedes Modell ist gleich stabil. Ein Jahresvertrag mit fester Laufzeit ist planbarer als ein monatlich kündbarer Zugang, nutzungsabhängige Preise schwanken mit der Auslastung der Kunden. Dafür senken flexible Modelle die Einstiegshürde und wachsen mit dem Erfolg der Kunden mit.

Kennzahlen, die das Modell steuern

Die zentrale Größe ist der monatlich wiederkehrende Umsatz, im Englischen Monthly Recurring Revenue oder kurz MRR. Er addiert alle regelmäßigen Entgelte eines Monats. Mal zwölf genommen ergibt sich der jährlich wiederkehrende Umsatz, die Annual Recurring Revenue oder ARR. Einmalige Einrichtungsgebühren und Projektleistungen gehören nicht dazu.

Ebenso wichtig ist die Kündigungsquote, auch Churn genannt. Sie gibt an, welcher Anteil der Kunden oder des wiederkehrenden Umsatzes in einem Zeitraum wegfällt. Daraus lässt sich der Kundenwert über die Laufzeit ableiten, der Customer Lifetime Value: Bei einer monatlichen Kündigungsquote von 2 Prozent bleibt ein Kunde rechnerisch im Schnitt 50 Monate. Diesem Wert stehen die Kosten der Kundengewinnung gegenüber, also Werbung, Vertrieb und Rabatte je neuem Kunden.

Eine dritte Perspektive ist der Umsatz mit Bestandskunden. Steigt er, weil Kunden zusätzliche Leistungen buchen oder in größere Pakete wechseln, kann ein Unternehmen auch dann wachsen, wenn es nur wenige neue Kunden gewinnt. Ob der bestehende Kundenstamm die eigenen Fixkosten trägt, lässt sich mit dem Break-even-Rechner überschlagen.

Ein Rechenbeispiel zur Kündigungsquote

Wie stark kleine Prozentwerte wirken, zeigt ein Beispiel mit erfundenen, runden Zahlen. Ein Anbieter startet mit 200 Kunden, die jeweils 49 Euro im Monat zahlen. Jeden Monat kündigen 2 Prozent des aktuellen Bestands, gleichzeitig kommen zehn neue Kunden hinzu. Die Kündigungen sind je Monat auf ganze Kunden gerundet.

BeispielZwölf Monate mit 2 Prozent Kündigungsquote
Kunden zu Beginn200
Preis je Kunde und Monat49 €
MRR zu Beginn9.800 €
Kündigungsquote je Monat2 %
Neukunden je Monat (Annahme)10
Kündigungen in zwölf Monaten55
Nach zwölf Monaten265 Kunden, MRR 12.985 €
Zum Vergleich ohne Neukunden157 Kunden, MRR 7.693 €

Zwei Prozent im Monat klingen gering, ohne Neukunden wären nach einem Jahr aber 43 von 200 Kunden fort, also rund 21,5 Prozent. Bei dieser Quote bringt ein Kunde im Schnitt rund 2.450 Euro Umsatz, 49 Euro über 50 Monate. Jeder gehaltene Kunde ersetzt damit einen Neukunden, der sonst erst gewonnen werden müsste.

Das Beispiel zeigt noch etwas: Bei gleichbleibenden Annahmen würde sich der Bestand auf Dauer bei 500 Kunden einpendeln, weil dann 2 Prozent Kündigungen genau den zehn Neukunden je Monat entsprechen. Wer über diese Grenze hinaus wachsen will, muss entweder mehr Kunden gewinnen oder weniger verlieren.

Wiederkehrende Einnahmen entstehen nicht durch Verträge, sondern durch Nutzen, den Kunden jeden Monat spüren.

Warum Käufer und Kapitalgeber planbare Erlöse schätzen

Wer ein Unternehmen kauft, finanziert oder sich daran beteiligt, bewertet vor allem künftige Zahlungen. Je verlässlicher sie sich vorhersagen lassen, desto geringer ist die Unsicherheit. Ein Betrieb mit vielen laufenden Verträgen und niedriger Kündigungsquote hat einen Umsatzsockel, der nicht an einzelnen Aufträgen hängt. Banken sehen darin eine verlässlichere Grundlage für Zins und Tilgung, Käufer einen Kundenstamm, der auch nach einem Eigentümerwechsel weiterläuft.

Wie stark sich das im Preis eines Unternehmens niederschlägt, hängt vom Einzelfall ab: von der Branche, der Vertragslaufzeit, der Profitabilität und davon, ob die Kunden an das Unternehmen gebunden sind oder an eine Person. Feste Faustregeln gibt es dafür nicht. Planbarkeit verringert aber das Risiko, und geringeres Risiko ist in jeder Bewertung ein Vorteil. Wie sich Erlöse auf Gewinn und Kontostand auswirken, erklärt der Beitrag Umsatz ist nicht Gewinn.

Wiederkehrende Bausteine im Mittelstand

Auch Betriebe ohne eigene Software können wiederkehrende Erlöse aufbauen. Ein Maschinenbauer kann neben dem Verkauf einer Anlage Wartung, Fernüberwachung und eine zugesicherte Ersatzteilversorgung als Paket anbieten. Ein Elektro- oder Sanitärbetrieb kann jährliche Prüfungen und Wartungen als Vertrag mit festem Monatsbetrag gestalten. Ein Händler kann Verbrauchsmaterial regelmäßig liefern, ein Dienstleister Beratung als festes Kontingent je Quartal anbieten.

Der Einstieg gelingt meist mit einem klar beschriebenen Servicepaket: was enthalten ist, wie oft Termine stattfinden, wie schnell im Störfall reagiert wird und was es im Monat kostet. Digitale Zusatzdienste wie Zustandsberichte, Fernwartung oder ein Kundenportal können das Paket ergänzen. Wichtig ist ein Preis, der die tatsächlichen Kosten der Leistung trägt, damit der Vertrag auch nach Jahren noch wirtschaftlich ist.

Voraussetzungen und faire Regeln

Ein wiederkehrendes Modell funktioniert nur, wenn der Kunde dauerhaft einen Nutzen spürt. Wer regelmäßig abrechnet, aber selten sichtbar liefert, treibt die Kündigungsquote nach oben. Verlässlicher Service, gut erreichbare Ansprechpartner und eine verständliche Abrechnung sind deshalb keine Nebensache, sondern der Kern des Geschäftsmodells.

Für Verträge mit Verbrauchern gelten in Deutschland klare Regeln. Seit dem 1. Juli 2022 müssen Unternehmen, die auf einer Webseite den Abschluss von Dauerschuldverhältnissen mit Verbrauchern ermöglichen, nach § 312k BGB eine Kündigungsschaltfläche bereitstellen, beschriftet etwa mit „Verträge hier kündigen“. Für Verträge, die seit dem 1. März 2022 geschlossen werden, darf sich ein Vertrag per Geschäftsbedingungen nach der Erstlaufzeit nur noch auf unbestimmte Zeit verlängern, und der Kunde muss ihn dann jederzeit mit einer Frist von höchstens einem Monat kündigen können.

Eine einfache Kündigung mag zunächst wie ein Nachteil wirken. Tatsächlich stärkt sie das Vertrauen: Kunden schließen leichter ab, wenn sie wissen, dass sie ohne Hürden wieder aussteigen können. Wer Kunden über den Nutzen hält statt über Hürden, baut einen Bestand auf, der auch der Prüfung durch Käufer oder Banken standhält.

Wiederkehrende Einnahmen sind kein Modell nur für Softwarefirmen. Sie entstehen überall dort, wo ein Unternehmen eine Leistung erbringt, die Kunden immer wieder brauchen, und diese Leistung verlässlich, verständlich und fair anbietet. Sie bringen mehr Planbarkeit beim Personal, bei Investitionen und in der Liquidität. Entscheidend bleibt der Blick auf die Kündigungsquote, denn sie zeigt früher als jede andere Zahl, ob der Nutzen beim Kunden ankommt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen MRR und Umsatz?

Der Umsatz umfasst alle Erlöse eines Zeitraums, auch einmalige Verkäufe, Einrichtungsgebühren und Projekte. Der MRR zählt nur die regelmäßigen, vertraglich wiederkehrenden Entgelte eines Monats. Er zeigt damit, welcher Umsatzsockel im nächsten Monat zu erwarten ist, wenn niemand kündigt und kein Kunde hinzukommt.

Welche Kündigungsquote ist normal?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Die Quote hängt stark von Branche, Preis, Vertragslaufzeit und Kundengruppe ab. Geschäftskunden mit längeren Verträgen kündigen in vielen Fällen seltener als Privatkunden mit monatlich kündbaren Abonnements. Aussagekräftiger als der Vergleich mit fremden Werten ist die Entwicklung der eigenen Quote über mehrere Monate.

Lohnen sich Wartungsverträge auch für kleine Betriebe?

Das hängt von der Kalkulation ab. Wartungsverträge glätten die Auslastung, weil sich Termine in ruhigere Monate legen lassen, und sie schaffen regelmäßigen Kontakt zu Kunden, aus dem oft Folgeaufträge entstehen. Voraussetzung ist ein Preis, der Fahrzeit, Material und Verwaltung deckt, sowie genug Personal, um zugesagte Termine verlässlich einzuhalten.

Gilt der Kündigungsbutton auch für Geschäftskunden?

§ 312k BGB schützt Verbraucher. Er gilt für Dauerschuldverhältnisse, die Verbraucher über eine Webseite abschließen können, ausgenommen unter anderem Finanzdienstleistungen. Für Verträge zwischen Unternehmen gelten die allgemeinen Regeln und die jeweiligen Vereinbarungen. Eine einfache Kündigungsmöglichkeit kann aber auch dort Vertrauen schaffen und den Abschluss erleichtern.

Begriffe

MRR
Monthly Recurring Revenue, der Umsatz eines Monats aus regelmäßig wiederkehrenden Vertragsentgelten ohne einmalige Erlöse.
Churn
Kündigungsquote, also der Anteil der Kunden oder des wiederkehrenden Umsatzes, der in einem Zeitraum wegfällt.
Customer Lifetime Value
Umsatz oder Deckungsbeitrag, den ein Kunde über die gesamte Dauer der Geschäftsbeziehung voraussichtlich bringt.

Zum Wirtschaftslexikon

Quellen

  1. § 312k Bürgerliches Gesetzbuch: Kündigung von Verbraucherverträgen im elektronischen GeschäftsverkehrBundesministerium der Justiz
  2. § 309 Bürgerliches Gesetzbuch: Klauselverbote ohne WertungsmöglichkeitBundesministerium der Justiz
  3. Stillschweigende Verlängerung eines Vertrags durch AGB? Ab dem 1. März gelten für Verbraucherverträge neue RegelnBundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

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Bild: Illustration, mit KI erstellt.

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